Pollenanalyse im nördlichen Pfälzerwald


Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Az.: Mainz 01/05

 

Zielsetzung:

Im Gegensatz zu benachbarten Landschaften, wie den Vogesen, dem Nordschwarzwald oder der Oberrheinebene ist der Pfälzerwald vegetationsgeschichtlich nahezu unerforscht, was auf das Fehlen von natürlichen Seen und eine Armut an Mooren zurückzuführen ist. Allerdings lassen sich in den Tälern des Pfälzerwaldes Kleinstvermoorungen mit geringer Torfmächtigkeit finden, an denen pollenanalytische Untersuchungen durchgeführt werden können.

 

Methode:

An zwei Vermoorungen im mittleren Pfälzerwald, etwa 1,5 km nordwestlich Johanniskreuz werden Bohrkerne abgeteuft. Die Torfmächtigkeit am ersten Punkt, einem Braunseggen-Sumpf, beträgt 0,98 m. Am zweiten Punkt, einem Torfmoos-Birken-Erlenwald, beträgt die Torfmächtigkeit 0,85 m. Die Bohrkerne werden für die pollenanalytische Untersuchung aufbereitet die Siebrückstände auf pflanzliche Großreste und Holzkohlefregmente untersucht. Für die Bestimmung kritischer Taxa anhand von Pollen und Sporen stand eine 1.000fache Vergrößerung mit Phasenkontrasteinrichtung zur Verfügung. Zur Datierung wurden den Bohrkernen an vegetationsgeschichtlich markanten Positionen Material entnommen und 14C-Datierungen vorgenommen.

 

Ergebnisse:

  • Zone 1: Eichenmischwald-Buchen-Zeit (<3000 v. Chr. – ca. 1000 v. Chr.)
    Neben anfangs geringen Buchenwerten sind Eiche mit über 40%, Hasel über 10% und Linde über 10% vertreten. Pinus-Pollenwerte von unter 20% zeigen, dass die Kiefer den spätwärmezeitlichen Wäldern beigemischt war. Abies-Pollen ist nur vereinzelt nachzuweisen.
  • Zone 2: Buchen-Eichen-Zeit
    Mit rasch ansteigenden Buchenwerten auf 35% wird die Ausbreitung der Buche zwischen 1000 und 750 v. Chr. gekennzeichnet bei gleichzeitigem Rückgang der Eiche. Die weitgehend unveränderten Pollenfunde von Ulmus, Fraxinus und Acer weisen darauf hin, dass die grundwassernahen Standorte weiter von diesen Baumarten besiedelt sind. Ähnliches gilt für Eichen-Kiefernwälder in kontinental getönten Bereichen.
  • Zone 3: Buchen Zeit (ca. 750 v. Chr. bis A.D.)
    Eiche und Linde treten zurück und Buche herrscht vor. Siedlungszeiger sind unauffällig und belegen eine weitgehend menschlich unbeeinflusste Entwicklung der Wälder.
  • Zone 4: Buchen-Eichen-Kiefern-Zeit (A.D. – ca. 1100 n. Chr.)
    Neben der Vorherrschaft von Buchen- und Buchen-Eichen-Wäldern nehmen die Siedlungszeiger (z.B. Süßgräser, Getreide) zu, was auf den menschlichen Einfluss ab der Römischen Kaiserzeit hindeutet. Auch die Pollenmenge von Kiefer nimmt zu, was nochmals die Autochthonie der Pfälzer Kiefer belegt. Gegen Ende der Zone werden erstmals Walnuss und Esskastanie nachgewiesen.
  • Zone 5: Eichen-Waldweide-Zeit (ca. 1100 n. Chr. – ca. 1350 n. Chr.)
    Die Werte der Siedlungszeiger, wie Getreide und Ruderalpflanzen, nehmen zu, die Werte von Pinus und Fagus fallen dagegen stark ab. Insbesondere der Rückgang der Kiefer erfolgt sehr rasch (bis 1200 n. Chr.). Interessant ist die Zunahme von Pteridium (Adlerfarn), was als guter Indikator für Waldweide gilt. Die Fagus-Anteile sinken zwischen 1250 – 1350 nach Chr. mit 4% auf ein absolutes Minimum, ein Hinweis auf die Zeit der größten Waldauflichtung. Betula, Corylus, Populus und Sorbus steigen entsprechend sprunghaft an.
  • Zone 6: Eichen-Buchen-Zeit (ca. 1350 n. Chr. – ca. 1800 n. Chr.)
    Der Rückgang der Siedlungszeiger weist auf den Beginn der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode hin. Dies führt zur Regeneration der Buche; dadurch tritt die Eiche im Pollenniederschlag zurück.
    Etwa nach dem Ende des 16. Jhdt. steigen die Getreide-Werte wieder; schlagartig finden sich auch wieder Holzkohle-Partikel. Die Eiche nimmt gegenüber der Buche wieder zu.
  • Zone 7:  Kiefern-Fichten-Zeit (ca. 1800 n. Chr. – heute)
    Der synchrone Anstieg der Kiefern- und Fichtenpollen, vereinzelt auch der Tanne, spiegelt das Einsetzen der planmäßigen Forstwirtschaft ab dem ausgehenden 18. Jhdt. Kieferkulturen sind ab 1750 nachzuweisen. Deutlich gestiegene Werte der Edelkastanie weisen auf den Anbau dieser Baumart am Haardtrand hin.