Flora und Vegetation der Naturwaldreservate Etscheid und Schwappelbruch (Rheinland-Pfalz)


Uni Göttingen , Abt. Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen, Az.: Göttingen 01/12


Durch Ihre große Artenzahl, ihre spezifischen Ansprüche an die Umwelt und ihre leichte Erfassbarkeit im Gelände eignet sich die Bodenvegetation ganz besonders als Indikator für den aktuellen Zustand eines Waldökosystems und den darin ablaufenden Prozessen. Im Gegensatz zur Baumschicht reagieren Kraut- und Moosschicht sehr schnell durch Verschiebungen der Arten- und Dominanzstruktur auf veränderte Umweltbedingungen, so dass gerade der vegetationsökologischen Betrachtung von Dauerflächen in Naturwaldreservaten eine große Bedeutung zukommt (SCHMIDT und SCHMIDT, 2007).



Zielsetzung:


Ziel ist die Ersterfassung der Flora und Vegetation in den zwei Schwerpunktnaturwaldreservaten Etscheid (FA Ahrweiler) und Schwapppelbruch (FA Soonwald), in den Wuchsgebieten Osteifel bzw. Hunsrück durch folgende Untersuchungen:

  • vegetationskundliche Charakterisierung beider Naturwaldreservate anhand vorhandener Kernflächen inner- und außerhalb von Zäunen
  • Repräsentanz der Waldgesellschaften
  • Bewertung des Wildeinflusses.


Methoden:


Vegetationsaufnahmen
In den Kernflächen der Naturwaldreservate wurden in den 20 x 20 m großen Rasterfeldern Anfang Mai und Mitte Juli 2012 Vegetationsaufnahmen durchgeführt.
Getrennt nach Baum-, Strauch-, Kraut- und Moosschicht wurden die Deckungsgrade der unterschiedlichen Vegetationsschichten und einzelner Arten innerhalb dieser Schichten erfasst (DIERSCHKE 1994). Die Schätzung der Deckungsgrade der Schichten und einzelnen Arten erfolgte direkt in Prozent (<1, 1, 2, 3, 4, 5, 10, 15, 20.,..95, 100 %).
Zusätzlich zu den Vegetationsaufnahmen in den Kernflächen wurde eine Florenliste für das gesamte Reservat erstellt. Die Nomenklatur der Gefäßpflanzen richtet sich nach WISSKIRCHEN & HAEUPLER (1998), die der Moose nach KOPERSKI et al. (2000).



Datenauswertungen
Für jede Kernfläche in den NWR Etscheid und Schwappelbruch wurden die mittleren Deckungsgrade und Artenzahlen der einzelnen Vegetationsschichten ermittelt. Für die Krautschicht erfolgte außerdem die Berechnung des Shannon-Wiener-Index, der Evenness (DIERSCHKE 1994, MAGURRAN 2004) und der mittleren ungewichteten als auch nach Deckungsgrad gewichteten Zeigerwerte nach ELLENBERG et al. (2001).
Für eine Bewertung der Krautschichtzusammensetzung erfolgte eine Einteilung der gefundenen Arten gemäß ihrer Lebensform (ELLENBERG et al. 2001) und anhand ihrer Bindung an den Wald, basierend auf der Waldartenliste der Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Flechten Deutschlands (SCHMIDT et al. 2011).
Alle errechneten Parameter ebenso wie die Deckungsgrade der häufigsten Arten wurden mit Hilfe des t-Tests bei normalverteilten Daten bzw. des Mann-Whitney-U-Tests bei fehlender Normalverteilung zwischen den beiden Kernflächen des jeweiligen Naturwaldreservats verglichen. Als Signifikanzniveau wurde einheitlich p ≤ 0,05 akzeptiert. Alle Berechnungen wurden mit dem Programm SigmaPlot 11.0 (Systat Software) durchgeführt.



Ergebnisse:


Obwohl das Naturwaldreservat Etscheid fast doppelt so groß ist wie das Naturwaldreservat Schwappelbruch, wurde in beiden mit 107 bzw. 110 eine gleich hohe Zahl an Pflanzenarten vorgefunden. In Etscheid wurde auch eine Rote-Liste-Art nämlich das rundblättrige Wintergrün (Pyrola rotundifolia) nachgewiesen.
Vom Wildausschluss profitieren in Etscheid vor allem Baum- und Straucharten wie z.B. Vogelbeere und Elsbeere, Traubeneiche und Bergahorn. Beim Schwappelbruch zeigt sich ein massiver Wildverbiss außerhalb der Zäune vor allem bei der Hainbuchenverjüngung.

Naturwaldreservat Etscheid
Sowohl innerhalb wie auch außerhalb des Zaunes deckte die Baumschicht ca. 70 % der Fläche ab. Die Strauch- und Krautschicht war dagegen außerhalb des Zaunes stets geringer vorhanden, signifikant geringer allerdings nur die Krautschicht. Die Artenzahlen waren bei der Baum- und der Moosschicht mit jeweils zwei Arten unabhängig von der Zäunung gleich hoch. Dagegen war die Strauchschicht im Zaun deutlich artenreicher, die Krautschicht dagegen nicht signifikant artenärmer. Der berechnete Shannon-Wiener-Index und die Evenness für die Krautschicht waren außerhalb des Zaunes stets signifikant höher.
Die berechneten Zeigerwerte nach Ellenberg unterstreichen das ozeanisch gemäßigte Klima und zeigen eine Dominanz von Frischezeigern und Schatten- bis Halbschattenpflanzen. Der Standort kann als mäßig stickstoffreich und mäßig sauer angesprochen werden.
Sowohl im Zaun als auch außerhalb dominierten die Arten des geschlossenen Waldes und die Generalisten, die sowohl im Wald als auch im Offenland zu finden sind. Diesbezüglich gab es zwischen den Zäunungsvarianten keine Unterschiede.

Naturwaldreservat Schwappelbruch
Im Naturwaldreservat Schwappelbruch wurden die beiden gezäunten Kernflächen, die verschiedenen Waldgesellschaften angehören, untersucht. Hinsichtlich der Vegetationsstruktur ergaben sich kaum Unterschiede zwischen den beiden Kernflächen: Sowohl die Baum-, Strauch-, Kraut- und Moosschicht waren in beiden Flächen mit ähnlich hohen Deckungsgraden vorhanden. Auch in der Artenzahl ergaben sich nur wenig signifikante Unterschiede, die höheren Artenzahlen waren jedoch in allen Vegetationsschichten in der feuchteren Kernfläche zu finden. Dies spiegelt sich auch in dem berechneten Diversitätsindex wieder.
Im Naturwaldreservat Schwappelbruch dominieren Frischezeiger und Schatten- sowie Halbschattenpflanzen. Die Vegetationszusammensetzung spiegelt das gemäßigte Klima wieder. Im Vergleich zum Naturwaldreservat Etscheid ist das Schwappelbruch etwas saurer und stickstoffärmer.
Bezüglich der Zeigerwerte ergeben sich in der nässeren Kernfläche naturgemäß höhere Anteile an Nässezeigern und eine bessere Basenversorgung.
Die Auswertung der Krautschichtarten hinsichtlich ihrer Waldbindung zeigt einen enorm hohen Anteil an Generalisten, während Arten des geschlossenen Waldes in beiden Kernflächen weniger als 10 % am Krautschichtdeckungsgrad ausmachen.
Bei der Betrachtung der einzelnen Arten wird deutlich, dass mit Ausnahme der Hainbuche, die in der Kernfläche 1 den höheren Deckungsgrad aufweist, die meisten Baumarten sowohl in der Baum- als auch in der Strauchschicht in der nässeren Kernfläche deckungsstärker sind. Auch in der Krautschicht wiesen mehr Arten in der nässeren Kernfläche höhere Deckungsgrade auf. In der Kernfläche 1 fällt dagegen besonders der hohe Deckungsgrad von Carex brizoides auf.