Die Stabilität von Stockausschlagswäldern


Uni Freiburg, Waldbau Institut; Az.: Freiburg 07/08


Zielsetzung:

Rheinland-Pfalz verfügt über schätzungsweise 160.000 ha Stockausschlagwälder, meist mit bedeutsamer Schutzfunktion. Lücken im Kronendach und entwurzelte Bäume deuten auf erhöhte Instabilitäten und verminderte Störungsresistenzen hin, die ihre Ursachen in altersbedingten Vitalitätsverlusten und den meist passiven Nutzungen in den zurückliegenden Jahrzehnten haben könnten. Bereits vorliegende Untersuchungsergebnisse für durchgewachsene Hainbuchenwälder in Rheinland-Pfalz weisen auf erhöhte Labilitätsanzeichen hin, solche aus den Schweizer Alpen beschreiben Entwurzelungsfälle in Edelkastanien-Stockausschlagswäldern. 

Über Ausmaß und Lage von Lücken in Stockausschlagswäldern und deren Ursachen ist bislang wenig bekannt. Mit vorliegender Untersuchung wird das Ziel einer Einschätzung der Bestandesstabilität überalterter Niederwälder (Alter > 60) verfolgt. Es stellt sich dabei die Frage, in wieweit Störungen (Lücken) in überalterten Stockausschlagsbeständen als Indikatoren für eine Instabilität betrachtet werden können, worin die Ursachen für die Lückenbildungen lie gen und wie man waldbaulich dagegen vorgehen kann. 



Methoden:

Das Untersuchungsgebiet (Gesamtfläche ca. 5700 ha) liegt im Mittelrheingebiet und Moseltal. Bestandeslücken wurden über eine Analyse vorbereiteter Luftbilder (GIS-Import und Ausschneiden der Untersuchungsbestände; d. s. Stockausschlagswälder in Steillagen > 15°) lokalisiert (automatische Lückenerkennung war nicht möglich) und vermessen, danach terrestrisch verifiziert und die Lückenursache diagnostiziert (detaillierte Beschreibung in einem „Technical Report“). Über Luftbildanalyse, terrestrische Verifizierung und Rücksprachen mit dem örtlichen Forstpersonal konnten Bestandeslücken natürlichen Ursprungs identifiziert und mittels GPS aufgesucht werden. Die Ursachen der Lückenentstehungen wurden an Ort und Stelle bestimmt. 



Ergebnisse:

Das örtliche Forstpersonal beschreibt die Entstehung von Bestandeslücken als eher unbekanntes Phänomen.  Lücken über 100 m2 waren i. d. R. künstlichen Ursprungs (z.B. Haselhuhntaschen). In bestimmten Fällen zeigte die terrestrische Verifizierung, dass es sich bei den über Luftbild klassifizierten Bestandeslücken um natürliche Blößen (z.B. Felsrippen) handelte. 
Fazit: Vor dem Jahr 2005 traten keine ausgeprägten Störungen in Stockausschlagswäldern in Steillagen auf (Stabilitätsbeurteilung für Bestände der digitalen FE-Kategorie „Entstanden aus Stockausschlag“). Natürliche Lücken über 100 m2 wurden nicht vorgefunden. Es konnten keine Anzeichen für flächige Destabilisierungen gefunden, jedoch Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Schutzwaldwirkung (Nat. Verjüngung, Förderung langlebiger und stabiler Baumarten, Mischbestandsentwicklung, Durchforstungen/Überführungen auf wüchsigen Standorten, Wildbestandregulation) abgeleitet werden. Die unterschiedlichen  standörtlichen Voraussetzungen erfordern eine differenzierte Herangehensweise.