Untersuchungen zur Ausbreitung des Erlensterbens durch Phytophthora alni am Otterbach bei Kandel


Institut für Landespflege, Uni Freiburg Az.: Freiburg 09/06

 

Zielsetzung:

Der Forschungsbericht behandelt das Erlensterben, ausgelöst durch den Schlauchpilz Phytophthora alni im Einzugsgebiet des Otterbachs vom Pfälzerwald bis Jockgrim. Es galt einen Überblick über die Verbreitung der Krankheit zu erhalten, mögliche Ursachen der Ausbreitung zu erfassen und Handlungsempfehlungen abzuleiten.

 

Methoden:

Der Krankheitserreger Phytophthora alni kann sich über im fließenden Wasser bewegliche Zoosporen fortpflanzen und über Feinwurzeln, Lentizellen oder durch Stammwunden Erlen infizieren. Er zerstört das Versorgungsgewebe im Stamm, wodurch dann die Nährstoff- und Wasserversorgung in die Baumkrone unterbrochen wird. Typische Krankheitssymptome sind dunkelrote Teer- oder Schleimflussflecken am Stamm (Wundgummi als Reaktion auf die Infektion), die sich stammaufwärts bis in eine Höhe von 3 m ausbreiten können. Umfassen sie in der Horizontalen den ganzen Stamm, stirbt der Baum ab. Sichtbar wird der Krankheits- und letztlich Absterbeprozess durch eine zunehmend schüttere Belaubung und durch Totäste in der Baumkrone. Als Folge des Stresses wird auch eine starke Blüten- und Fruchtbildung beobachtet.
Die Krankheit kann anthropogen durch das Aussetzen von Fischen aus infizierten Gewässern, aber auch durch Pflanzgut aus infizierten Gewässerbereichen verbreitet werden.  
Im Bereich des Otterbachs wurden an regelmäßig verteilten Stichprobenpunkten eine Zustandsanalyse durchgeführt und die Ergebnisse durch Befragungen evaluiert. An 34 % der untersuchten Gewässerstellen wurden eindeutige Hinweise auf das durch Phytophthora alni ausgelöste Erlensterben festgestellt und an 57 % der untersuchten Stichprobenpunkte wurden in ihrer Vitalität geminderte Erlen gefunden. Ein labortechnischer Nachweis zur Identifizierung der Krankheitserregers wurde nicht verfolgt. 

 

Ergebnisse:

Die räumliche Verbreitung der Erlenerkrankung deckt sich mit den Gewässerabschnitten in denen regelmäßig Fische ausgesetzt werden, ein Hinweis darauf dass mit dem Aussetzen der Fische mit Zoosporen des Phytophthora alni belastetes Wasser eine Ursache für die Verbreitung der Krankheit identifiziert werden kann. Bei Anglern und Fischern ist das Aussetzen von Fischen als Auslöser der Baumerkrankung nicht bekannt, allerdings bei den zuständigen Behörden – Verbandsgemeinden – für die Gewässerunterhaltung. Auch die zuständigen Forstbeamten kennen zwar die Krankheit, aber nicht die möglichen Ausbreitungspfade. Auch wird die Bedeutung der Erlenerkrankung häufig nicht erkannt, da in – insbesondere naturnahen Gewässerabschnitten – die Erle im Kronenschluss durch andere Baumarten ersetzt wird.
Es wird erwartet, dass sich die Krankheit insbesondere flussabwärts weiter ausbreitet. Eine chemische Bekämpfung des Krankheitserregers wird aufgrund der möglichen Umweltbelastung am Gewässer nicht empfohlen (es wird allerdings nicht erwähnt, ob es überhaupt eine solche Möglichkeit gibt).
Empfohlen wird dringend die weitere Ausbreitung der Krankheit dadurch einzugrenzen, dass beim Aussetzen von Fischen und bei der Verwendung von Erlenpflanzmaterial darauf geachtet wird, dass diese ausschließlich aus bzw. von krankheitsfreien Gewässern (oder Verwendung von Brunnenwasser in Pflanzgärten) kommen.
Angemahnt wird eine verbesserte Aufklärungsarbeit über die Krankheit und ihre Verbreitungswege, nicht nur bei Forstpersonal sondern auch bei Fischern und Anglern.
Als operationale Pflegemaßnahmen scheint ausschließlich das Auf-den-Stock-Setzen aussichtsreich, da auch krank aussehende Erlen dann kräftig austreiben, sofern der Wurzelbereich noch nicht befallen ist. Zumindest wird prognostiziert, dass sich damit der Krankheitsverlauf verlangsamen kann. Eine Fällung erkrankter Erlen wird nicht empfohlen, da dann auch sämtliches infiziertes Pflanzenmaterial, einschließlich des Wurzelstocks aus dem Gefährdungsgebiet entfernt werden müsste.
Vermutet wird, dass sich bei Erlen genetisch fixierte Resistenzen herausbilden könnten, so dass eine breite genetische Variabilität bei den Erlen zu erhalten oder anzustreben ist. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass reichhaltig gemischte Auewälder und Ufergehölze das Landschaftsbild und die ökologischen Funktionen dieser bachbegleitenden Baumarten erhalten können.