Schutzfunktion von Niederwäldern an Rhein und Mosel


Institut für Waldbau, Uni Freiburg Az.: Freiburg 03/06

 

Zielsetzung:


Untersuchungen zur Stabilität von ehem. Niederwäldern – Konsequenzen für die künftige Waldbehandlung

  • Zusammenbruch der Wälder? Vorkommen/Ursache von Lücken
  • Regeneration der Wälder nach Störungen? Natürliche Verjüngung
  • mit Hangneigung nimmt Lückenfläche zu
  • mit höherem Alter steigt Lückenfläche
  • westlich exponierte Waldorte anfälliger

 

Methoden:

Untersuchungsgebiet Mosel (FÄ Cochem und Boppard); Vorauswahl Testbestände mit PolyGIS – Datenerfassung (FE-Daten, DGM - Hangneigungskategorien, Luftbildinterpretation, terrestrische Feldaufnahmen) – Datenanalyse.
Klassifizierung der Wälder nach Alter, Hangneigung, Exposition und Bodensubstrat;
Lückenparameter: Lückenursache, Anzahl Lückeverursacher, Baumart, Lückengröße, Bestandshöhe, Alter Lücke; Verjüngung in Lücken nach Höhenstufen kartiert
Stichprobenumfang: n= 71 Waldorte (1073 ha)
Zusammenhang Lückenfläche – abhängige Variablen (einzeln und Interaktionen)

 

Ergebnisse:

Lückenfläche: 0,28% der Waldfläche; im Schnitt 417 ; mehr als 80% < 300 ; 76% Waldorte mit Lückenfläche < 0,5%.
Erfassung Lückenfläche Luftbild stimmt gut mit terrestrischer Erhebung überein.
Ursache Lücke in 91% Wurf, in 6% der Fälle stehendes Totholz
Hinweis, dass ostexponierte Waldorte anfälliger
Verjüngung: 54% Lücken unzureichende Verjüngung, 27% gesichert, 19% keine Vj.

Auf 17% (142.000 ha) der Gesamtwaldfläche von Rheinland-Pfalz stocken ehemalige Niederwälder, die oft durchgewachsen sind bzw. nicht mehr genutzt werden. Häufig haben die Wälder eine wichtige Schutzfunktion. Beobachtungen deuten darauf hin, dass besonders in Steillagen ein – möglicherweise großflächiges - Stabilitätsproblem vorliegen könnte. Die vorliegende Arbeit untersuchte, inwieweit ein Zusammenhang zwischen der relativen Lückenfläche (als Indikator für Stabilität/Resistenz) der Wälder und Standortfaktoren sowie der Bestandshöhe gegeben ist und ob sich die Lücken erfolgreich verjüngen (Resilienz). In den Forstämtern Cochem und Boppard wurden hierzu 71 Eichen-Hainbuchen-Mischbestände untersucht. Die Daten wurden aus dem GIS von Landesforsten, dem digitalen Geländemodell und terrestrisch gewonnen.
Keiner der untersuchten Faktoren hat einen signifikanten Effekt auf die Lückenfläche. Ein dennoch aufgrund der qualitativen Betrachtung der größten Lücken anzunehmender Einfluss von Hangneigung, Exposition und Alter der Wälder wäre in weiteren Untersuchungen zu überprüfen. Ein schwacher Zusammenhang zeigt sich zwischen Bestandshöhe und relativer Lückenfläche. Ein Zusammenbruch der Stockausschlagwälder ist derzeit angesichts der unter 1% der Waldfläche liegenden Gesamtlückenfläche nicht zu erwarten. Handlungsbedarf besteht allerdings bei der Verjüngung, die infolge von Wildverbiss lediglich in 27% aller Lücken als gesichert gelten kann. Die hier zu beobachtende Verjüngungsdynamik deutet auf eine Verdrängung der ursprünglich dominanten Eiche durch Buche und Hainbuche hin.