Stand und Perspektiven des Verkaufs stehenden Holzes  in Bundesdeutschen Privatforstbetrieben


Inst. für Forstökonomie, Uni Göttingen Az.: Göttingen 04/05

 

Zielsetzung:

In der deutschen Forstwirtschaft wird der Verkauf stehenden Holzes an selbst werbende Holzkäufer äußerst kontrovers diskutiert. Ökonomische Vorteile können sich für den einzelnen Waldbesitzer bezüglich Rentabilität, Liquidität und Flexibilität ergeben. Nachteilig könnte u. a. die Tatsache wirken, dass der einzelne Forstbetrieb die Ausformung marktfähiger Rohholzsortimente und damit Wertschöpfungspotenzial zunehmend aus der Hand gibt. Anhand empirischer Daten soll die reale Relevanz der aufgeführten Problembereiche kritisch hinterfragt werden. Die Untersuchung beschränkt sich auf den mittleren und größeren bundesdeutschen Privatwald (> 200 ha Holzbodenfläche), da dort der Verkauf stehenden Holzes aktuell eine bedeutende Rolle spielt. Dabei sollen u.a. die Gründe für und gegen diese Form der Holzvermarktung erkundet und künftige Entwicklungsperspektiven aus der Sicht des Forstbetriebes eingeschätzt werden. Auch das momentan praktizierte Vorgehen beim Verkauf stehenden Holzes soll erfasst werden.

 

Methode:

Die Untersuchung wird in Form einer Fallstudie durchgeführt, um exemplarisch und beschreibend Aussagen zu bekommen. Während für die Analyse von forstbetrieblichen Rahmenbedingungen sowie der bisherigen Entwicklung des Verkaufs stehenden Holzes auf einen bereits vorhandenen Datenbestand zurückgegriffen wird, werden Auskünfte zur künftigen Entwicklung und zum Verkaufsverfahren im Rahmen einer ergänzenden Primärerhebung erfasst. Diese Erhebung wurde als schriftliche Befragung mit Hilfe postalisch versendeter Fragebogen an insgesamt 44 Forstbetrieben durchgeführt.

 

Ergebnisse:

Für die untersuchte Grundgesamtheit von insgesamt 35 Forstbetrieben des Privatwald - Betriebsvergleichs Westfalen – Lippe zeigt sich, dass sich in der Zeit von 1985 bis 2004 der Anteil des stehend verkauften Holzes am Gesamteinschlag von 14% auf 39% nahezu verdreifacht hat. Für die Baumart Kiefer ist es inzwischen die bedeutendste Verkaufsart. Die zukünftige Entwicklung wird bei der Kiefer mit leicht steigend, bei Fichte leicht rückläufig und beim Laubholz stagnierend eingeschätzt. Als Hauptgründe für die Wahl dieser Verkaufsform wird die Möglichkeit zur reduzierten betriebseigenen Arbeitskapazität und zu reduzierten Verwaltungskosten genannt. Bezüglich der betrieblichen Kontrolle beim Verkauf stehenden Holzes steht das Argument mangelnder Kontrollmöglichkeit deutlich im Vordergrund und weniger der mit der Kontrolle verbundene Verwaltungsaufwand. Das Pro-Argument höherer betrieblicher Wertschöpfung wird stärker bewertet als das Contra-Argument geringer Wertschöpfung. Gegenüber dem Unternehmereinsatz wird auch der umsatzsteuerliche  Vorteil bei den pauschalierenden Betrieben als wichtiges Argument für den Verkauf stehenden Holzes genannt. Beim Verkaufsverfahren fällt auf, dass die Vorkalkulation der zu erwartenden Verkaufserlöse lediglich mit überschlägiger Schätzung vorgenommen wird, was sich auch in der großen Bedeutung der freihändigen Vergabe des Verkaufs an Stammkäufer widerspiegelt. Die Einhaltung wertoptimierender Aushaltung als vertragliche Vorgabe ist vorgesehen. Abweichungen davon werden jedoch i.d.R. nicht durch Vertragsstrafen bewehrt. Der größte Teil des Betriebes zeichnet die betroffenen Bestände vollständig negativ aus, eine Kontrolle der entnommenen Bäume wird allerdings nur von einem Drittel vorgenommen; Vertragsstrafen für Abweichungen sind nicht vereinbart. Die betriebliche Praxis geht offenbar vielfach weitgehend intuitiv vor. Daraus ergibt sich dringender Handlungsbedarf zur Erarbeitung betriebswirtschaftlicher Lösungs- und Handlungsempfehlungen, um die forstbetriebliche Wertschöpfung zu sichern.