Kroneneffizienz der Eiche in Abhängigkeit von der Bestandesdichte. Ertragskundliche Auswertung der langfristigen Eichenversuchsflächen Waldleiningen 88 und Elmstein 62 und 63


Lehrstuhl für Waldwachstumskunde, TU München Az.: München 01/05

 

Zielsetzung:

Ziel der Arbeit ist es, Zusammenhänge zwischen Krone, Zuwachs und Standraum aufzuzeigen und in Beziehung zu setzen. Dazu stehen die Ergebnisse von 4-maligen Kronenablotungen aus Versuchsflächen des bayrischen Versuchswesens im Forstamt Johanniskreuz zur Verfügung.

 

Methode:

Mit einer waldwachstumskundlichen Standardauswertung werden die Versuchsflächenaufnahmen im Frühjahr 2005 aufbereitet und die Auswirkung der Durchforstung auf Bestandeskenngrößen analysiert. In diese Auswertungen werden die Daten vorausgegangener Aufnahmen einbezogen. Weiter werden die Zusammenhänge zwischen Standraum und Zuwachsgrößen untersucht, um darauf aufbauend Fragen der Kroneneffizienz und Standraumökonomie zu diskutieren.
Dazu werden rund 70 Solitäreichen vermessen, um als Vergleichsmaßstab für die Beurteilung der erreichten Kronendimensionen auf den Versuchsflächen zu dienen.

 

Ergebnisse:

1. Versuchsflächenergebnisse:

  • die Höhenentwicklung der Grundflächenmittelstämme zeigt bei allen Flächen ab dem Alter 60 einen deutlichen Anstieg über die I. Bonität Jüttner hinaus. Diese Entwicklung und die Jahr für Jahr steigenden Jahrringsbreiten weisen auf die sich verändernden Wuchsbedingungen hin.
  • Die durch die Versuchskonzeption vorgegebene Staffelung der Grundfläche (100:70:50%) führt zu einer entsprechenden deutlichen Abstufung des laufenden jährlichen Volumenzuwachs (100:89:66%).
  • Die Unterschiede im Durchmesser der 100 stärksten Bäume auf an jeweils entsprechenden Flächen sind gering. Die Eiche zeigt eine starke Tendenz zur Selbstdifferenzierung. Da die Eichenflächen mit ihrem Alter von 120 – 140 Jahren etwa die Hälfte der Produktionszeit erreicht haben, wird die zukünftige Entwicklung zeigen, ob Zuwüchse großkroniger Bäume länger auf einem hohen Niveau anhalten als die bei kleinkronigen.

2. Ergebnisse der Kronenablotung:

  • Der Mittelwert der Bekronungsgrade (Kronenlänge: Baumhöhe) bleibt auf den schwach durchforsteten Flächen mit zunehmendem Alter gleich, während er auf den mäßig und stark durchforsteten Parzellen im Jahr 1978 mit rd. 45% relativ hoch ist und dann mit zunehmendem Bestandesschluss wieder sinkt.
  • Der Plumpheitsgrad (Kronenbreite:Kronenlänge) steigt an bei intensiverer Durchforstung. Auf den stark durchforsteten Parzellen liegen die Werte stetig  über den der übrigen Parzellen.
  • Die starke Hochdurchforstung bereitet bereits im Alter 66 im Vergleich zur schwachen Niederdurchforstung ein fast doppelt so großes Kronenvolumen bezogen auf das Stammvolumen. Diese Differenz wächst mit zunehmendem Alter, allerdings bei stark streuenden Einzelwerten.
  • Die Eichenkrone vermag im Alter von 120 Jahren in schwach und mäßig durchforsteten Parzellen Lücken im Kronendach rasch zu schließen, während in den stark durchforsteten Parzellen große Lücken entstehen, die den Buchenunterstand begünstigen und regulierende Eingriffe erzwingen.
  • Je größer die Grundfläche eines Baumes ist, desto größer sind Schirmfläche und Standfläche (=Schirmfläche zuzüglich des Anteils nicht überschirmter Fläche). Die Standfläche wächst mit größer werdender Grundfläche schneller als die Schirmfläche. Die standflächenbezogenen Grundflächenzuwachswerte sinken mit zunehmender Standfläche.
  • Bei Bezug des Grundflächen- bzw. Volumenzuwachses auf die Stand- bzw. Schirmfläche in der Mitte statt am Ende der Periode wird der standflächenbezogene Zuwachs unterschätzt und der schirmflächenbezogene Zuwachs überschätzt.

3. Ergebnisse der Solitärvermessung im Vergleich zu den 100 stärksten Bäumen der Versuchsparzellen 2005

  • Die Maximalhöhe bei konkurrenzfreiem Wachstum liegt mit 25m deutlich unter den Höhen im Bestand (bis 40m).
  • Kronenansatzhöhen für ältere Solitäre liegen bei 3-4m, bei den Bestandesbäumen bei 15-25m.
  • Die Solitäre erreichen Kronenlängen im Durchschnitt von 13m, bei den Bestandesbäumen sind es 12-15m. Entsprechend liegt der Bekronungsgrad bei 0,82 für die Solitäre und ca. 0,40 bei den Bestandesbäumen.
  • Das Verhältnis von Kronendurchmesser zu Brusthöhendurchmesser, aufgetragen über dem  Brusthöhendurchmesser, liegt bei den Solitären über denen der Bestandesbäume, sinkt jedoch mit steigendem Durchmesser. Die Werte der Bestandesbäume haben allerdings die der Solitäre im Bereich hoher Durchmesser (oberhalb 50 cm) zum Teil bereits erreicht. Es wird erwartet, dass die Bestandeswerte zukünftig oberhalb der der Solitäre liegen werden, da die Durchmesserentwicklung im Vergleich zu den Solitären schwächer ausgeprägt ist und die Ressourcen für die Bildung eines längeren Stammes unter dem Einfluss der Konkurrenz verwendet wurden.

4. Weitere Hinweise

  • An der Tatsache, dass sich die flächenbezogene Zuwachsleistung mit steigender Schirm- bzw. Standfläche verringert, ändert der Bezug auf die Periodenmitte nichts.
  • Bei den starken Durchforstungsvarianten bringt die frühe Reduzierung der Stammzahl kaum Einnahmen.
  • Der Ausfall großkroniger Bäume führt zu lange ungenutzten Standflächen.
  • Die Funktion der Wälder als –temporäre – Kohlenstoffsenken wird durch die bei Durchforstungen verringerte flächenbezogene Zuwachsleistung eingeschränkt.