Analyse des Duftmusters der durch Agrilus biguttatus zur Wirtsbaumwahl genutzten Duftstoffe, in Abhängigkeit von Belaubungsstatus und Befallsgeschichte der Eichen auf der Level-II-Fläche im Pfälzerwald


Inst. für Forstzoologie und Waldschutz, Uni Göttingen Az.: Göttingen 12/05

 

Zielsetzung:

Über die Chemoökologie der Buprestiden, insbesondere der Gattung Agrilus, ist bisher allgemein wenig bekannt. Erst im Zusammenhang mit dem „Eichensterben“ ist die Kenntnis über das Auftreten und die Biologie von Agrilus biguttatus deutlich gewachsen. Die bisherigen Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Befallsdisposition der Esche für Agrilus biguttatus sehr unterschiedliche Ausprägung und Ursachen haben kann.
Ziel der Untersuchung ist es deshalb, anhand chemoökologischer Analysen den Gesundheitszustand der Eichen aus der Perspektive des A. biguttatus zu betrachten.

 

Material und Methoden:

Mit Hilfe von Stammabsaugkammern wurden auf einen EU-Level-II-Fläche mit 200jähriger Eiche insgesamt 11 Eichen beprobt. Es wurden 5 Bäume mit möglichst vitalem Gesamtzustand als Referenz ausgewählt; weitere 6 Bäume zeigten A. biguttatus Befall von unterschiedlicher Ausprägung. Der Blattverlust der Bäume wurde in % der Vollbelaubung erfasst. Ausfluglöcher von Agrilus Spec. wurden mit einem Fernglas vom Stammfuß bis zum Kronenansatz erhoben.
Flüchtige Duftgemische, die Agrilus biguttatus zur Orientierung dienen können, wurden mit Hilfe von Adsorptionsfallen gesammelt und mit einem Gaschromatographen (GC) in ihre Einzelkomponenten aufgetrennt. Zusätzlich wurden olfaktorische Reaktionen des Insektes durch elektroantennographische Messungen beobachtet.

 

Ergebnisse:

Die Duftstoffmuster der untersuchten Eichen waren qualitativ außergewöhnlich homogen. Sowohl an den befallenen als auch an den befallfreien Bäumen konnten zwischen 90 und 130 Substanzen festgestellt werden. Einzelne Substanzen waren allerdings mengenmäßig unterschiedlich stark vertreten. Ein Vergleich der Emissionsraten ausgewählter Substanzen von befallenen und befallsfreien Bäumen erbrachte aufgrund der geringen Probezahl und der hohen biologischen Inhomogenität nur Trends und keine statistisch signifikanten Resultate. Als geruchlich von Agrilus biguttatus wahrnehmbar lassen sich 11 der erfassten Stoffe klassifizieren, darunter insbesondere 1 – Hexanol, Heptanal, Hexanal und Essig- sowie Propionsäure. Es zeichnet sich ab, dass die Information über den Baumzustand für A. biguttatus in einer Kombination aus mehreren Stoffen liegen muss. Mit Hilfe einer Hauptkomponentenanalyse der Mengenverhältnisse der wahrnehmbaren Duftstoffe lassen sich deutlich die Kontrollbäume (unbefallen) von den deutlich heterogeneren befallenen Eichen unterscheiden.
Die Erweiterung der Kenntnisse über wahrnehmbare Stoffe und die Einschätzung der Sensitivität sind für die Zukunft von besonderer Bedeutung. Auch wären Fallenfang-Versuche im Eichenbestand mit unterschiedlich attraktiven Substanzgemischen wichtig, um den Schritt zu Monitoring- und Bekämpfungsmaßnahmen gehen zu können.