Untersuchungen zur Rindenanatomie und –physiologie der Buche

Institut für Forstbotanik, Uni Göttingen Az.: Göttingen 06/ 04
 

Zielsetzung:

Seit dem Frühjahr 2001 wird in Rheinland-Pfalz und Luxemburg ein Befall an stehenden Rotbuchen (FAGUS SYLVATICA L.) durch den Laubnutzholzkäfer (TRYPODENDRON DOMESTICUM L.) ohne erkennbare Vorschädigung beobachtet. In Vorversuchen wurden auffällige anatomisch-histochemische Unterschiede am befallenen und nicht befallenen Buchen am selben Standort beobachtet. Um diese Vorversuche zu ergänzen, sollen Rinde und Holz von unbefallenen Buchen anderer Standorte vergleichend zu den Buchen des Stehendbefalls untersucht werden.

Methode:

Für die Beprobung wurden jeweils 3 Bohrkerne (1 Zentimeter Durchmesser) von je 3 Bäumen von 3 Standorten im Befallgebiet und entsprechende Proben aus einem Bestand im Göttinger Wald und zwei Beständen im Forstamt Dingelstedt (bei Halberstadt) entnommen. Zusätzlich wurden Rindenproben mit dem Stechbeitel an stehenden oder frisch geschlagenen Buchen entnommen. Die Morphologie und Anatomie der Rinde wurde im Mikroskop analysiert und der Phenolgehalt unter anderem photometrisch bestimmt.

Ergebnisse:

  1. Die Vermutung, dass dem Befall mit Trypodendron ein Befall mit der Buchenwollschildlaus (B W S L) vorangegangen ist, wird weiterhin gestützt. Die Rinde der stehend befallenen Buchen zeigt Risse und größere oberflächliche Rindennekrosen, aber fast nie Lenticellen. Dies entspricht den Ergebnissen von BRAUN zu B W S L-Befall. Die Rinden der unbefallenen Kontrollbäume sind glatt und haben deutlich erkennbare Lenticellen als Zeichen eines funktionierenden Oberflächenperiderms.
  2. Das Kambium der Buchen mit Stehendbefall ist nur in seltenen Fällen beeinträchtigt, anders als bei akut mit Buchenwollschildlaus befallenen Bäumen.
  3. Die Rinden der befallenen Buchen zeigen einen geringeren Anteil Sklerenchym in primärer und sekundärer Rinde als die Kontrollproben. Möglicherweise schützt ein höherer Sklerenchymanteil gegen Befall.
  4. Phenole spielen eine Rolle bei der Abwehr der Buche gegen einen Befall mit B W S L. Die Buchen aus Stehendbefall mit Trypodendron aber auch von unbefallenen Buchen aus Saarburg weisen deutlich höhere Konzentrationen aus M e- O H löslichen Phenolen auf als Kontrollbuchen aus dem Göttingerwald und Dingelstedt.
  5. Die Konzentration zellwandgebundener Phenole in den Kontrollbuchen liegt wesentlich höher als in den Buchen aus Saarburg. Hohe Konzentrationen können entweder für eine erfolgte Abwehr sprechen oder ein Hinweis auf eine grundsätzlich andere genetische Ausstattung bezüglich der Phenolbildung. Zudem können hohe zellwandgebundene Phenolgehalte für mögliche Fraßfeinde oder anderen Befall unattraktiv sein.