Einfluss der Lagerungsbedingungen von Eichen-Stammholz auf die Entwicklung von Duftstoffen mit attraktiver Wirkung auf Hylecoetus dermestoides

Institut für Forstzoologie u. Waldschutz, Uni Göttingen, Az.: Göttingen 04/03

Zielsetzung:

Der Buchenwerftkäfer (Hylecoetus dermestoides L.) befällt als polyphage Art praktisch alle Laub- und Nadelhölzer Mitteleuropas, bevorzugt allerdings Buche, Eiche und Birke. Die kurze Flugzeit der nur wenige Tage lebenden Käfer dauert je nach Witterung von Ende März bis Ende Mai. Da die Larven sich auch in Stubben gut entwickeln können, sind sie latent fast flächendeckend vorhanden. Oftmals wird der Befall, insbesondere von Buchen –und Eichenstarkholz erst im Juli/August erkannt, sodass erhebliche finanzielle Verluste entstehen und eine chemische Behandlung unter dem Leitgedanken des integrierten Waldschutzes nur wenig sinnvoll, in zertifizierten Betrieben teilweise ausgeschlossen ist. Gerade wegen der sehr kurzen Flugzeit könnte mit einer erweiterten Verstärkung der Stoffe, die zur Primärattraktion des Käfers führen eine effektive Maskierung attraktiven Brutmaterials oder Einsatz von Repellentien möglich werden. Ziel der Untersuchung war es, die charakteristischen Substanzen, die bei Holzalterungsprozessen auftreten, zu erkennen und zunächst  herauszufinden, welche für den Buchenwerftkäfer wahrnehmbar sind.
 
Material und Methoden:

Mit Hilfe elektroantennographischer Detektion (EAD) wird die olfaktorische Reaktion eines Insektes durch die Ableitung elektrischer Signale an seinen Antennen gemessen. Die Gaschromatographische mit massenspektrometrischem Detektor (GC-MS) dient der  Auftrennung flüchtiger Stoffgemische und Identifizierung der einzelnen Stoffe.
 
Durch die parallele Detektion mit Gaschromatograph und Massenspektrometer kann die Ableitung des Elektroantennogramms den einzelnen Stoffen zugeordnet werden.
 
Die Holz-und Rindenduftproben wurden über Aktivkohle absorbiert, anschließend mit einem Lösungsmittelgemisch eluiert und bis zur Analyse unter -84° C aufbewahrt.
 
Die Holzproben wurden so gewählt, dass sowohl eine trockene (6,19 und 31 Monate) und eine feuchte Lagerung verglichen werden konnten. Rindenproben unter feuchten Lagerungsbedingungen befanden sich im typischen Zersetzungszustand der alkoholischen Gärung (Ethanol-Komponente wahrnehmbar!). Die Versuchsgruppe mit feuchter Lagerung wurde in Duftproben von befallenem und unbefallenem Holz unterteilt.
 
Ergebnisse:

Unter 21 Eichenproben wurden 7 als attraktiv, 5 als schwach bis nicht attraktiv und alle 9 der trockenen Lagerung als nicht attraktiv eingestuft. In befallenen und unbefallenen Hölzern der nassgelagerten Variante sowie in dem in Gärung befindlichen Holz wurden je zwischen 45 und 120 Substanzen nachgewiesen.
Die trockenlagernden Proben enthielten bis zu 50 Substanzen, in wesentlichen Sesquiterpene. Die Abgaberaten aller Duftkomponenten waren deutlich geringer als die der Frisch- und Nasslagerung.

Die Duftproben der trockengelagerten Variante zeigten keine dieser für den Käfer wahrnehmbaren Duftkomponenten.
Die Gärungsprozesse in der Rinde ergeben den maximal attraktiven Zustand. Mit zunehmendem physiologischen Alter sinkt die Attraktivität des Eichenholzes.