Populationsökologie und Ausbreitungsverhalten des Hirschkäfers in den Gemarkungen Als und Bullay und die Untersuchung der Effektivität von bestandessichernden Maßnahmen
 
Institut für Biologie, Uni Koblenz-Landau, Az.: Koblenz 01/03
 
Zielsetzung:

Das Ausbreitungsverhalten und die Lebensweise des Hirschkäfers während seiner oberirdischen Imaginalzeit sollen untersucht werden.
 
Material und Methoden:

  • Telemetrie: es wurden 15 Sender mit einem Gewicht von 350 mg und einer Reichweite von 300 Metern während Ende Mai bis Anfang Juli eingesetzt. Die Käfer wurden durch Zulaufen auf das stärkste Signal aufgesucht. Die Sender wurden bei 15 (11 Weibchen/ 4 Männchen) Käfern eingesetzt. Die Sender brachten durchschnittlich 6,6 Tage Sendeleistung. Je 4 weibliche bzw. männliche Käfer sind nachweisbar geflogen.
  • Lockstoffversuch: Lockstoff-Fallen (PET-Wasserflaschen) wurden mit zerdrückten Kirschen bzw. Aprikosen gefüllt.
  • Nachzuchtversuch: ein Weibchen wurde in einem Insektenkasten mit Sägemehl, Mulm und Humus gehalten. Bei einer Kontrolle des Substrats im Oktober wurden 4 Hirschkäferlarven gefunden. Die Entwicklung wird weiter verfolgt.
  • Kartographische Darstellung der Fundortmeldungen im Kreis Cochem-Zell
     

Ergebnisse:

  • Für die Lebensraumanalyse mittels Telemetrie standen insgesamt 9 Käfer (7 Weibchen, 2 Männchen) zur Verfügung. Die Käfer wurden an ihren Fundorten aufgelassen, die Weibchen überwiegend in offenen Biotopen, die Männchen eher in waldartigen Strukturen. Dies wirft die Frage auf, wo sich die Käfer zur Paarung treffen.
  • Die Männchen hielten sich fast ausschließlich auf Bäumen auf, wobei die Kirsche die bevorzugte Baumart war. Die Weibchen hielten sich bei den Messungen meist am Boden, im Boden und nur ganz selten auf Bäumen auf. Die Habitate wurden von den Weibchen oft über mehrere Tage genutzt. Beim Ausgraben konnten die Weibchen in Tiefen von 0 bis 17 Zentimeter angetroffen werden. Die als potentielle Eiablegeorte eingeschätzten Mikrohabitate waren meist abgestorbene Stöcke. Künstlich angelegte Hirschkäferwiegen wurden nach kurzer Zeit verlassen.
  • Die Käfer zeigten bei ihren Ortsveränderungen sowohl ausgeprägtes Laufverhalten als auch Flugaktivitäten. Die Flugaktivitäten liegen am Beginn der oberirdischen Aktivitätsphase, bis zum 13. Juni. Die Flugstrecken beim Männchen erlaubten das Überqueren der Mosel. Die Hauptaktivitätszeit war zwischen 20 und 23 Uhr; ab Ende Juni wanderten die Weibchen auch vermehrt tagsüber. Bei den Weibchen waren die Endpunkte der Flüge Verstecke oder potentielle Bruthabitate.
  • Gewichts- und Vitalitätsverlust: Die Käfer verloren in den ersten Tagen bereits 0,3-0,4 Gramm, mit zunehmendem Lebensalter bis 48% des Ausgangsgewichts.
  • Lockstoffversuch: es wurde kein Hirschkäfer in den Fallen gefangen. Ursache dürfte das hohe Angebot reifer Kirschen in der freien Natur sein.