Methoden vegetationskundlicher Aufnahmen in Naturwaldreservaten (Literaturübersicht und Auswertung früherer und neuerer Untersuchungen in Rheinland-Pfalz)

Inst. für Waldbau I, Uni Göttingen, Az.: 7V/02 d


Zielsetzung:

Auf der Grundlage eigener Erfahrungen und den Empfehlungen aus den europaweiten Biomonitoring-Konzepten werden Vorschläge für vegetationsökologische Untersuchungen in Naturwaldreservaten entwickelt.


Ergebnisse:

Probeflächendesign

Entsprechend den Empfehlungen des bundesweiten Buchenwaldmonitorings (Thomas et. al. 1995), der COST-Action E4 (Hochbichler et al. 2000) und den Erfahrungen verschiedener Bundesländer (u.a. Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen) sollte jedes Naturwaldreservat mit einem systematischen Gitternetz im 100x100 m-Raster, das in das Gauß-Krüger-Netz eingehängt ist, versehen sein. An den Gitternetzpunkten erfolgt eine dauerhafte und sichtbare Verpflockung, die die langfristige Reproduzierbarkeit der Dauerflächenuntersuchungen sicherstellt. Daneben werden Kernflächen (Quadrate, Rechtecke, möglichst 1 ha groß) ausgewiesen, die im 20x20 m-Raster verpflockt sind). Insbesondere für Diversitätsvergleiche sind einheitliche Probeflächengrößen notwendig. Entsprechend dem Minimumareal von Waldgesellschaften (Dierschke 1994) und der Vergleichbarkeit mit anderen Biomonitoring- oder Naturwaldreservatsprogrammen sowie dem Vergleich mit benachbarten Wirtschaftswäldern sollte nur mit zwei verschiedenen Aufnahmeflächengrößen operiert werden: 100 und 400m2 große Dauerflächen bieten sich sowohl für die Aufnahme an den Gitternetzpunkten (wo auch die waldkundlichen Erhebungen stattfinden) als auch in den Kernflächen an. Dabei ist es nachrangig, ob die Aufnahmeflächen um die Gitternetzpunkte quadratisch oder kreisförmig, um den Kreismittelpunkt oder nach Norden verschoben (vergl. Abb. 3, Abb. 4) angeordnet sind. In den Kernflächen lässt sich jeweils bei den Wiederholungsaufnahmen ohne großen Messaufwand eine kleinere Untergliederung der 20x20m-Teilflächen (400m2) in Teilflächen von 100 m2 (10x10m-Raster) vornehmen.

Vegetationsaufnahme

Der Deckungsgrad der Arten sollte nach Schichten getrennt (Baumschicht: Gehölze über 5 m Höhe, Strauchschicht: Gehölze zwischen 0,5-5-m Höhe, Krautschicht: Gehölze unter 0,5 m Höhe, sowie alle übrigen Farn- und Blütenpflanzen, Moosschicht: alle bodenbewohnenden Moose und Flechten) notiert werden. Zu den Schichten sind die maximalen und durchschnittlichen Höhen anzugeben. Bei Waldgesellschaften mit Frühjahrgeophyten wird die Vegetation zu zwei phänologisch definierten Zeiten aufgenommen (Frühjahr: Acer platanoides-Anemone
nemorosa-Phase, Sommer: Cornus sanguinea-Melica uniflora-Phase nach Dierschke 1989). Wiederholungsaufnahmen sollten im Abstand von 10 Jahren erfolgen.

Datenverarbeitung und Auswertung

Die heutigen Möglichkeiten der Datenverarbeitung erlauben die Datenspeicherung und –auswertung mit einer Vielzahl von gängigen Datenbanken und Auswertungsprogrammen (Ewald 2001). Neben den bisherigen Auswertungsansätzen (Indikation der Standortseigenschaften mit ihren Veränderungen, Dynamik der Waldvegetation, Biodiversität) sollte in Zukunft verstärkt auch die Auswertung im Hinblick auf die funktionelle Bedeutung der auftretenden Pflanzenarten und ihre Veränderungen in den Waldgesellschaften berücksichtigt werden. Über biologische Merkmale und pflanzliche Strategien lassen sich viele Vegetationsveränderungen und Ökosystemeigenschaften besser erklären, als dies bisher möglich war (Jäger 2000, Poschlod et al. 2000, Grime 2001). Damit wäre auch eine stärkere Verknüpfung der Naturwaldforschung mit der ökologischen Grundlagenforschung und ihrer Anwendung im Waldbau und Naturschutz denkbar.