Diversitätsvergleich von Naturwaldreservaten und Wirtschaftswäldern

Inst. für Waldbau I, Uni Göttingen, Az.: 7V/02 c


Zielsetzung:

Die derzeitigen Möglichkeiten und Grenzen eines unmittelbaren Diversitätsvergleich zwischen bewirtschafteten und nicht bewirtschafteten Wäldern sollen anhand von Untersuchungen in 3 Naturwaldreservaten und entsprechenden Vergleichsflächen aus Niedersachsen und Hessen dargestellt werden.


Methode:

Die drei Flächen sind seit 10 Jahren aus der Nutzung genommen bzw. mit 33-50 Efm/ha in den letzten 5 Jahren durchforstet. Vertikalstruktur, Artenvielfalt, pflanzensoziologische Zuordnung und mittlere Zeigerwerte nach ELLENBERG werden erfasst. Als weiteres Untersuchungsobjekt stand eine Fläche im südlichen Unterharz zur Verfügung, die seit 1971 aus der Bewirtschaftung genommen wurde und in der floristische Aufnahmen in den Jahren 1988 und 1998 durchgeführt wurden. Schließlich konnten Untersuchungen aus dem Naturschutzgebiet Hainholz (südwestliches Harzvorland), Krücker und Rotenberg- die beiden letzteren im Buntsandstein liegend - nach einem Sturmwurf von 1997 herangezogen werden.


Ergebnisse:

Unterschiede in den Vertikalstrukturen, der Diversität und der pflanzensoziologischen Zuordnung lassen sich auf die Vorgeschichte, aber auch auf Unterschiede in den Standortsverhältnissen zurückführen. Vor allem der Anteil von Verlichtungsgesellschaften und die höhere mittlere Lichtzahl macht den Einfluss der Bewirtschaftung deutlich. Zusätzlich tragen Störungen des Bodens als Folge der Bewirtschaftung zur Diversität bei. Ein Vergleich der Artendiversität erscheint nur möglich, wenn die entsprechenden Bodenbedingungen und Vegetationseinheiten direkt verglichen werden. Auf der Fläche im Unterharz zeigt sich ein charakteristischer Rückgang der Artenzahl, was auf die geringere Zahl von Grünland- und Ruderalarten (Nichtwaldarten) zurückgeführt werden kann. Die Anzahl der Laubwaldarten nahm dagegen signifikant zu. Auf der sonnigeren, ungestörten Kuppe zeigt sich der Einfluss des Wildverbisses im mangelnden Nachwuchs von Ulme und Esche/Ahorn aus der Krautschicht in die Strauchschicht.
Die Windwurffläche Hainholz umfasste nach dem Windwurf 341 Farn- und Blütenpflanzenarten. Neben den standörtlich bedingten, kleinräumigen Unterschieden ist die unterschiedliche Störungsintensität – geschlossene Partien neben Kahllagen – für die hohe Artenzahl ursächlich. In den Flächen Krücker und Rotenberg mit flächigem Windwurf sind die geräumten Windwurfflächen artenreicher als die nicht geräumten. Ohne großflächige Störung erfolgt die Verjüngung überwiegend durch die schattentolerante Buche.
Aus diesen Ergebnissen sind jedoch noch keine ausreichenden Antworten auf die Frage nach der ökologischen Funktion der Biodiversität in Waldökosystemen ableitbar.