Einsaat von Laubbäumen zur Überführung von Nadelbaumreinbeständen in Mischwäldern

Institut für Waldbau, Uni Freiburg, Az.: 1V/01 d

  
Zielsetzung:

Bei dem Versuch stehen die folgenden Fragestellungen im Mittelpunkt:

  • Wie entwickeln sich Jungwüchse aus Saaten im Vergleich zu Jungwüchsen aus einer zum gleichen Zeitpunkt angelegten Pflanzung?
  • Welcher Auflichtungsgrad des Altbestandes ist für das Gelingen der Saat vorteilhaft?
  • Ist für das langfristige Gedeihen der Saat eine Düngung mit magnesiumhaltigem Kalk notwendig?


Material und Methoden:

Versuchstandorte: Der Versuch wurde in zwei Forstrevieren, Sternfeld, Abt. 60b, und Beuren, Abt. 127a, des Forstamtes Osburg, Rheinland Pfalz angelegt.
Beide Versuchsflächen liegen im montanen Bereich des Wuchsbezirks Hoch- und Idarwald und zwar der Versuchsteil Sternfeld in einer Höhe von 570-580 mNN und der Versuchsteil Beuren geringfügig höher auf 600-620 mNN.
Die Geologie, Unterdevon (Quarzite), trifft ebenso wie die Standortseinheit, 53 M a 2, für beide Standorte gleichermaßen zu.

Ausgangsbestände: Die Bestände unterschieden sich in ihren Auflichtungsgraden.
Im Forstrevier Sternfeld handelt es sich um einen vom Sturm 1990 aufgerissenen und von nachfolgendem Käferbefall weiter geöffneten Fichtenreinbestand mit locker bis lückigen, aber auch noch leidlich geschlossenen Partien, 97jährig, Ertragsklasse 1,5 und einem Bestockungsgrad von 0,3-0,5.
Der Fichtenreinbestand im Forstrevier Beuren war zum Zeitpunkt der Versuchsanlage geschlossen, 112 jährig, Ertragsklasse II,0 und hatte einen Bestockungsgrad von 1,0. Er wurde für den Versuch auf Bestockungsgrad 0,8 aufgelichtet.

Baumarten, Begründungsart und Kalkung: Neben der Buche wurden die Eiche und die Tanne verwendet. Die Buchen wurde sowohl gesät als auch gepflanzt, um die Auswirkungen beider Begründungsarten miteinander vergleichen zu können. Eichen und Tannen wurden nur gesät. Alle Varianten (Baum- und Begründungsarten, Überschirmung) wurden jeweils ohne und mit Kalkung (500g Kalkstaub je Saat- bzw. Pflanzplatz) angelegt.

Versuchsschema und -anlage: Es handelt sich um einen Parzellenversuch mit je acht in einem Block zusammengefassten, direkt beieinander liegenden Parzellen. Die Unterparzellen mit Buchen wurden doppelt so groß gewählt wie die für die beiden anderen Baumarten. Im Sternfelder Bestand wurden vier unterschiedlich stark durch Sturm und Käferfraß aufgelichtete Überschirmungssituationen ausgewählt („Block“ 1:lückig, 2: licht, 3: geschlossen, 4: dicht geschlossen). Im Beurener Bestand war der Schirm dagegen gleichmäßig. Dementsprechend wurden in den Sternfelder Bestand vier und in den Beurener Bestand zwei „Blöcke“ gelegt. Diese sind jedoch nur in Beuren als echte Wiederholungen zu werten.

Sowohl der Abstand der Saatplätze als auch der Abstand zwischen den gepflanzten Buchen betrug 2 x 2 m. Zur Vermeidung unkontrollierter Störungen und Schäden durch Wild mussten die Flächen gezäunt werden. Die Flächen wurden Ende März 1996 eingemessen. Gesät und gepflanzt wurde kurz danach im April.
Wegen des geringen Keimerfolges nach der Aussaat vom Frühjahr 1996 wurde die Aussaat mit Bucheckern und Eicheln im Frühjahr 1998 und die Bucheckernsaat dann noch einmal im Frühjahr 1999 wiederholt.


Ergebnisse:

Verjüngungserfolg bei Saat

  • Von den biotischen Einflüssen verursachten Mäuse die gravierendsten Verluste durch Fraß, obwohl sowohl für die Erst- wie auch für die Nachsaaten gebeiztes Saatgut verwendet wurde. Große Ausfälle bei den Tannensaatparzellen sind offenbar auf die nach Aussagen von Forstamtsmitarbeitern häufiger gesichteten Taubenschwärme zurück zu führen, wobei anscheinend die Samen ausgescharrt und auch die frisch angekommenen Keimlinge aus dem Boden gezupft wurden.
  • Von den Baumarten schnitten die Buchen insgesamt gesehen nach 6 Vegetationsperioden mit Jungpflanzen auf mehr als der Hälfte aller Saatplätze am besten ab, was  allerdings mit dem gerade bei den Buchen hohen Einsatz an Saatgut erreicht wurde. Bei Eichen und Tannen lag der Anteil durchweg unter der Hälfte.
  • Generell waren die Verjüngungserfolge im Versuchsbestand Beuren etwas höher, was an Unterschieden in der Mäusebelastung gelegen haben mag.
  • Die Kalkung hat gleichsinnig bei allen Baumarten und in beiden Versuchsbeständen die Ausbeute an Jungpflanzen statistisch gesichert erhöht. Das zeigte sich unmittelbar nach der Keimung und wirkte sich dann auch hinsichtlich des weiteren Überlebens der Jungpflanzen vorteilhaft aus.

Entwicklung der gesäten Jungpflanzen.

  • Die Buchen schnitten bei Höhen und Sprossdurchmessern unter beiden Schirmbeständen jeweils am besten ab.
  • Für die Eichen war das Lichtangebot in beiden Fällen offenbar nicht ausreichend, um sich adäquat entwickeln zu können.
  • Die Tannen benötigten in den ersten Jahren viel Zeit, um die Startschwierigkeiten zu überwinden. Am Ende der 2. Vegetationsperiode waren sie noch derart klein und dünn, dass ihre Sprossbasisdurchmesser nicht gemessen werden konnten.
  • Die Kalkung begünstigte von Anfang an das Wachstum der jungen Buchen und Eichen. Dagegen reagierten die Tannen überhaupt nicht

 

Entwicklung der gepflanzten Buchen

  • Bis zum Ende der 2. Vegetationsperiode (1997) waren knapp 7% der gepflanzten Buchen ausgefallen. Am Ende der 6. Vegetationsperiode unterschieden sich die Überlebensraten unter beiden Versuchsbeständen (durchschnittlich 83% in den nicht gekalkten Parzellen bzw. 95% auf den gekalkten Pflanzplätzen) hochsignifikant.
  • Bis zum Ende der Vegetationsperiode 1997 hatten 6,3 % der Buchen vertrocknete Leittriebe ( Folge des Verpflanzungsschocks), wobei der Anteil in den ungekalkten Varianten mit 10% deutlich höher war als bei den gekalkten mit 2,7 %. In der Regel trieben solche zopftrockenen Pflanzen aber wieder aus unteren Knospen aus, so dass dadurch nur selten Totalausfälle eintraten.
  • Im Sternfelder Bestand hatten die Buchen ohne Kalkung ihre Höhe nach 6 Vegetationsperioden mehr als verdoppelt, nach Kalkung aber verdreifacht. In Beuren wuchsen sie ohne Kalkung um 66%, mit Kalkung dagegen um 130% der Ausgangshöhe.