Können Wachstums- und Mortalitätsunterschiede zwischen Tannenherkünften (Abies alba) auf genetische Unterschiede an Isoenzym-Genloci zurückgeführt werden?

Institut für Forstgenetik u. Forstpflanzenzüchtung, Uni Göttingen, Az.: 2V/01g

  
Einleitung und Zielsetzung:

Im Frühjahr 1987 wurde im Forstamt Osburg ein Anbauversuch mit Weißtanne der Herkünfte Kalabrien, Zwiesel und Pelister (Mazedonien) angelegt. Nach 13 Jahren zeigte sich die Herkunft Pelister als die wüchsigste Herkunft. Allerdings besteht die Anbaufläche dieser Tannenherkunft aus zwei Baumgruppen, die sich in ihrem Höhenwachstum deutlich unterscheiden, ohne Übergangsformen zwischen groß- und kleinwüchsigen Pflanzen auszubilden. Mit der Untersuchung soll die Ursache für diese auffälligen Unterschiede geklärt werden.


Methode:

Im Winter 2000 wurden von einzelnen Bäumen der Herkunft Pelister (39 Individuen „Klein“, 34 Individuen „Groß“) ruhende Knospen gewonnen und mit Stärkegelelektrophorese auf ihre Isoenzymmuster analysiert. An 8 Isoenzym-Genloci wurden die Genotyp- und Allelhäufigkeiten für beide Gruppen bestimmt. Als Vergleichsprobe wurde die Herkunft Zwiesel herangezogen.


Ergebnis:

Pelister-Klein weist, gemessen an dem genetischen Abstand, eine größere Affinität zur Herkunft Zwiesel als zu Pelister-Groß auf. Mit Blick auf eine mögliche Inzuchtdepression lässt der Fixierungs- bzw. Inzuchtkoeffizient auf einen gewissen Inzuchtgrad von Pelister-Klein schließen, während bei Pelister-Groß der erwartete und beobachtete Heterozygotiegrad weitgehend übereinstimmt. Allerdings wäre dann zu erwarten, dass Übergangsformen mit unterschiedlichem Depressionsgrad auftreten. Die Aufspaltung einer Arthybridpopulation als dritte mögliche Ursache (z.B. aus abies alba und abies cephalonica) ist sehr unwahrscheinlich, da der genetische Abstand zu abies cephalonica sowohl bei Pelister-Groß als auch bei Pelister-Klein relativ groß ist.
Daher wird empfohlen, in zukünftigen Erhebungen nur das Kollektiv Pelister-Groß zu berücksichtigen, da eine Vertauschung der Herkünfte als Ursache für Pelister-Klein bei Saatgutgewinnung bzw. Auspflanzung nicht ausgeschlossen werden kann.