Sukzession und Walderneuerung auf Sturmschadensflächen in Rheinland-Pfalz

Institut für Waldbau, Uni Freiburg, Az.: 9V/00 b


A) Vorwald aus natürlicher Sukzession

Zielsetzung:

Die Wiederbewaldung großer Sturmschadensflächen, insbesondere auf vernässenden, ehemals fichtenbestockten Standorten, stellt eine anspruchsvolle waldbauliche Herausforderung dar.
Durch die schlagartige Zerstörung des Bestandes verändern sich die Umweltbedingungen drastisch. Hinzu kommt die spontane Förderung der Bodenvegetation, die das Wachstum der Zielbaumarten wie Buche oder Eichen behindern. Diese schlechten Wuchsbedingungen könnten verbessert werden, wenn Vorwaldphasen aus natürlicher Sukzession vorgeschaltet werden. Über Struktur und Wirkung solcher Sukzession auf unterschiedlichen Standorten und bei verschiedenen Ausgangsbedingungen ist allerdings wenig bekannt.


Methode:

In den Forstämtern Entenpfuhl (ehem. Sobernheim) und Kirchberg wurden auf je einer durch Windwurf 1990 freigelegten Fläche Versuche angelegt mit ergänzenden Flächen in Baden-Württemberg. Auf den Sukzessionsflächen wurden neben Flächen mit unterschiedlicher Räumungsintensität auch gezäunte bzw. ungezäunte Teilflächen untersucht.
In einem Raster von 10 x 10m wurden auf 5m² große Probekreisen die natürlich angekommenen Jungwüchse nach Baumart und Höhe aufgenommen.


Ergebnisse:

Im Jahr 2000 sind zwischen 5000 und 10.000 Jungwüchse vorhanden.

 

Baumartengruppe | Entenpfuhl | Kirchberg

Pioniere | 5.400 | 2.700

Fichten | 3.300 | 2.400

Zielbaumarten | 400 | 500


In Entenpfuhl ist der größte Anteil der Pflanzen in der Höhenklasse oberhalb 4 m, während in Kirchberg das Schwergewicht in dem Bereich von 2-3m liegt.
Da wegen des hohen Verbissdrucks in Kirchberg die gesamte Fläche gezäunt ist, ist der Vergleich zur ungezäunten Fläche nur in Entenpfuhl möglich. Dort ist die Anzahl der Pioniere und der Zielbaumarten innerhalb des Zaunes deutlich höher.
Die ungeräumte Variante hat auf beiden Flächen die höchste Zahl von Jungwüchsen und die größere Anzahl an Zielbaumarten. Hinsichtlich der räumlichen Verteilung vgl. nachstehende Tabelle.

Aufnahmepunkte | Entenpfuhl | Kirchberg

Unesetzt [%] | 13 | 19

mit Fichten [%] | 46 | 43

mit Zielbaumart [%] | 18 | 19


B) Nesterpflanzung zur Einbringung der Zielbaumart Eiche
 
Zielsetzung:

Um die Zielbaumart Eiche auf Sturmwurfflächen in extensiver Form einzubringen, ist eine sogenannte „Nesterpflanzung“ möglich. Das Wachstum der Bäume wird auch unter dem Einfluss des Wildes untersucht und mit einem herkömmlichen Reihenverband verglichen.


Methode:

Auf zwei windwurfbedingten Kahlflächen (FA Entenpfuhl/Sobernheim, FA Kirchberg) wurden im Jahr 1991 Eichen in Nesterstruktur (Varianten 1m² und 4m²) im Abstand von 7 x 7m (je Nest 21 Pflanzen) ausgepflanzt. Dir Reihenpflanzung erfolgte im Verband 0,7 x 1,5 und 1,0 x 2,0. Reihen- und Nesterpflanzung hatten jeweils gezäunte Teilflächen.


Ergebnisse:

Bis zum Sommer 2000 wurden die Flächen kontinuierlich gemessen. Der Zaunschutz führt zu Höhen von rd. 3m im Großnest bzw. 3,50m im Kleinnest, während bei fehlendem Zaunschutz die Eichen deutlich in ihrer Höhenentwicklung zurückbleiben (z.B. Großnest 50% der Höhe der gezäunten Fläche). Allerdings ist die Entwicklung im Kleinnest günstiger als im Großnest.
Die Unterschiede in der Höhenentwicklung dominanter Eichen auf geschützten Flächen zwischen Reihen- und Nesterpflanzung waren gering und wiesen keine Tendenz auf. Ein unmittelbarer, positiver Effekt durch den engen Pflanzverband in den Nestern ist nicht erkennbar.
Auch bei der Qualitätsentwicklung geschützter Eichen zeigten sich keine Unterschiede zwischen Reihen- und Nesterpflanzung; rd. 1/3 der dominanten Bäume war fehlerfrei. Knapp 20% der Nester waren ohne Z-Baum-Anwärter. Daher wird es in der Zukunft für die Auswahlmöglichkeit darauf ankommen, wieviel von diesen Nestern durch den Einfluss des Umgebungsbestandes noch eine ausreichende Qualität erreichen.
Während also die Hypothesen verbesserten Verbissschutzes, günstigerer klimatischer Bedingungen mit besserer Qualität nicht gestützt werden können, verbleiben als Vorteile der Nesterpflanzung geringe Kosten bei Begründung und durch punktuelle Eingriffe bei Jungbestandspflege sowie eine größere Nähe zum Leitbild naturnaher Waldwirtschaft (auf 90% der Fläche weitgehend unbeeinflusste Entwicklung) im Vergleich zur Reihenpflanzung.
Als eine denkbare Alternative wird die Trupppflanzung nach GOCKEL diskutiert.


C) Entwicklung junger Eichen unter Vorwald
 
Zielsetzung:

Vorwald in funktionaler Sicht dient dem Schutz empfindlicherer Baumarten und soll zugleich – wenn möglich – die Erzielung qualitativ guter Schäfte bei der Zielbaumart unterstützen. Die Erfahrungen mit künstlich begründeten Vorwäldern sind gering. Daher sollen die Hypothesen zum Wachstum und zur Qualitätsentwicklung überprüft werden.


Methode:

Auf zwei Sturmwurfflächen 1990 (FA Entenpfuhl, FA Kirchberg) wurden die Vorwaldarten Birke und Roterle sowie die Zielbaumart Eiche (Birke 4x4m, Traubeneiche 2x1 bzw. Roterle 4x4m, Stieleiche 4x1m) gepflanzt. Als Referenz dient eine Freiflächenpflanzung mit Eiche im Verband 2x1. Ausfälle wurden im Jahr 1992 nachgebessert und gegen Fegeschäden mit FEGOL geschützt. Zur Kultursicherung wurde 1995/96 auf den Vorwaldflächen die gesamte holzige Naturverjüngung entfernt. Wachstums- und Qualitätsparameter wurden im Jahr 2000 erfasst. In den Vergleich zwischen Vorwald und Referenz wurden lediglich Bäume von einer Mindesthöhe von 1,50 m einbezogen, die auf Stichproben gemessen wurden.


Ergebnisse:

Auf den Vorwaldflächen in Entenpfuhl waren die mittleren und die Spitzenhöhen der Eichen deutlich höher; in Kirchberg war der Unterschied nicht signifikant. Eine Ablenkung von Verbiss konnte nicht festgestellt werden. Kein Hinweis ergab sich auf ein gebremstes Dickenwachstum durch Seitendruck.
Während bei Vorwald im Vergleich zur Referenz in Entenpfuhl der Durchmesser des stärksten Astes geringer war, war dies in Kirchberg umgekehrt. Der Anteil der Zwiesel unter Vorwald war stets geringer als auf der Freifläche, während es bei der relativen Ansatzhöhe und der Länge der Zwiesel keine Unterschiede zwischen den Varianten gab.
Der Versuch sollte fortgeführt werden.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser langfristigen Untersuchung in den Forstämtern Kirchberg und Entenpfuhl sind veröffentlicht in:

Freiburger Forstliche Forschung, Berichte, Heft 25 (2001), S. 41-54

Weinreich, A. und Grulke, M.: „Vergleich zwischen Nesterpflanzung und konventioneller Begründung von Eichenbeständen“

Freiburger Forstliche Forschung, Berichte, Heft 25 (2001), S. 55-64

Csapek, G.: „Sukzession auf verdichteten, beziehungsweise vernässten Standorten“

Hohmann, B. (2001): „Entwicklung junger Eichen unter Vorwald“ (Dipl.-Arbeit, Freiburg)