Einfluss thermischer Gradienten entlang von Waldwegen in Abhängigkeit des nachgelagerten Bestandes und der Wegebauart auf die Kleintierfauna angrenzender Habitate

Institut für Forstzoologie und Waldschutz, Uni Göttingen, Az.: 13V/00 i


Zielsetzung:

Waldwege gelten durch verschiedenartig ausgeprägte Barriere- und Zerschneidungseffekte als wichtiger Einflussfaktor auf die einheimische Fauna. Insbesondere für bodenbewohnende, wenig mobile Kleintiere mit oftmals sehr eng gefasstem Lebensraum können Waldwege beträchtliche Hindernisse darstellen. In vielen Fällen überwiegen jedoch eindeutig positive Effekte, die vom Wegenetz im gesamten Waldökosystem ausgehen: zusätzlicher Lichteinfall und Ansiedlung von Kräutern, Sträuchern und Bäumen 2. Ordnung begünstigen eine hohe Artenvielfalt sowohl bei Flora als auch bei Fauna. In Abhängigkeit vom Wegetyp sollen daher die thermischen Verhältnisse untersucht und ihre Bedeutung für die Kleintierfauna diskutiert werden.


Methode:

An sechs Wegen unterschiedlicher Bauart (unbefestigter Rückeweg, je 2 Schotterwege ohne und mit bewachsenem Mittelstreifen, Asphaltweg) wurden an acht Querschnitten an jeweils 5 Positionen Temperaturmessungen durchgeführt. Jeder Weg wurde an einem klaren und einem bedeckten Sonnentag im stündlichen Abstand zwischen 9.00 und18.00 Uhr beprobt und exemplarisch die Luftfeuchtigkeit gemessen.


Ergebnisse:

Langfristig besonnte Wegabschnitte sind aufgrund der vor- und nachgelagerten Bestände selten und unterscheiden sich klimatisch kaum vom Bestandesinneren. Von besonderer Bedeutung sind dagegen die phasenweise besonnten Wegabschnitte. Im Gegensatz zu dem sehr gleichförmigen Temperaturgang bei bedecktem Himmel zeigen die Messwerte am strahlungsreichen TaG ein kleinräumig sehr differenziertes Muster von heißen, warmen und kühleren Abschnitten. Die Spitzenwerte der Temperatur werden auf den geschotterten Wegen nicht auf dem Wegekörper selbst, sondern im angrenzenden Saum gemessen. Dies liegt zum einen an der Reflektion bei hellen Wegoberflächen, zum anderen an der Abkühlung selbst bei nur schwachem Wind. Auf dem Asphaltweg waren die höchsten Temperaturen auf dem Weg selbst. Hier kann bei extremer Aufheizung bei lang anhaltender Bestrahlung die thermische Letalitätsschwelle für laufende oder kriechende Kleintiere erreicht werden. Die relative Luftfeuchtigkeit an strahlungsreichen Tagen insbesondere auf Wegen ohne begrüntem Mittelstreifen ist deutlich geringer als im angrenzendem Saum- und Mantelbereich. Waldwege mit Hartbelag sind aus faunistischer Sicht grundsätzlich ungünstiger zu bewerten als Naturwege (höhere Fahrgeschwindigkeit von Kraftfahrzeugen, vergleichsweise hohe thermische Barrierewirkung, Bodenversiegelung).
Allerdings haben Wege große Bedeutung aus Naturschutzsicht als „Sonneninseln“ zur Förderung artenreicher Wegsäume und –mäntel, insbesondere durch

  • unterschiedliche kleinklimatische Situation an Wegekreuzungen und -einmündungen
  • bestrahlte Wegeböschungen bei Steillagen in Südexposition
  • Anlage von Holzlagerplätzen auf der Schattenseite der Wege