Zuwachs- und Saftflussmessung (an einem Baum) auf der Versuchsfläche Merzalben
Das Klima ist ein entscheidender Faktor für das Gedeihen des Waldes. Die klimatischen Bedingungen bestimmen maßgeblich, welche Waldgesellschaft von Natur aus in welcher Region dominiert. Im kühlen Klima Nordeuropas sind es boreale Nadelwälder, im gemäßigten Klima Mitteleuropas Buchenwälder und im Mittelmeerklima Eichenwälder. Allerdings bestimmen nicht nur die Jahresmitteltemperatur und die Jahresniederschlagssumme, welche Baumart wo gut gedeiht. Hier wirken sich viele Standortsfaktoren aus, wie Winterfröste, Sommertrockenheit und auch Bodeneigenschaften, wie etwa die Nährstoffverfügbarkeit, die Durchwurzelbarkeit und die Wasserspeicherfähigkeit. Einen entscheidenden Einfluss haben auch die Wechselbeziehungen zwischen den Bäumen und ihren natürlichen Gegenspielern wie Insekten oder Pilzen, die wiederum ihrerseits erheblich von den Standortsbedingungen beeinflusst werden.
Wälder können sich von Natur aus an veränderte Standortsbedingungen anpassen. Das zeigen schon die „Wanderungsbewegungen“ der verschiedenen Baumarten nach der letzten Eiszeit. Allerdings verläuft diese Anpassung nur sehr langsam. Die aktuell berechneten Veränderungen der Klimabedingungen erfolgen in weitaus kürzeren Zeiträumen als die Erwärmung nach der letzten Eiszeit. Zudem ist die Anpassung durch die Zersplitterung und Isolierung der Waldareale durch waldfreie, landwirtschaftlich genutzte oder besiedelte Gebiete beeinträchtigt. Ohne Anpassungsmaßnahmen der Forstwirtschaft würden bei den erwarteten Klimaveränderungen ein beträchtlicher Teil unserer Wälder instabil werden und die gesellschaftlichen Bedürfnisse wie die Bereitstellung des Ökorohstoffs Holz, aber auch die vielfältigen Schutz- und Erholungsfunktionen nicht mehr zuverlässig erfüllen.
Wir müssen davon ausgehen, dass die Gefährdung unseres Waldes durch Sturm, Starkregen, Hagel oder ausgeprägte Dürren und in deren Folge auch durch Feuer sowie Insektenkalamitäten und Pilzkrankheiten zunehmen kann. Bei einer Klimaerwärmung ist mit wesentlichen Veränderungen im Wirt – Parasit- Verhältnis der einheimischen Arten zu rechnen. Darüber hinaus werden sich neue, einwandernde oder eingeschleppte Schädlinge und Krankheiten leichter etablieren können. Insekten und Pathogene werden zum einen aufgrund der klimatischen Veränderungen häufig günstigere Entwicklungs- und Überlebensbedingungen vorfinden und zum anderen sind die Abwehrmechanismen der Bäume bei Temperaturanstieg und zunehmender Sommertrockenheit geschwächt.
Steigen werden auch die Risiken von Hochwasser, Sturzfluten, Erosion und sommerlichem Wassermangel. Auch können sich die Standortsbedingungen so verschieben, dass wertvolle Waldlebensraumtypen und Biotope beeinträchtigt werden oder sogar verloren gehen. Stärker noch als bereits in der Vergangenheit muss die Waldbewirtschaftung diese zunehmenden Risiken berücksichtigen und neue Strategien zu deren Minimierung entwickeln.
Landesforsten Rheinland-Pfalz nimmt Vorreiterrolle ein
An der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt befassen sich 2 Forschungsprojekte mit dem Themenfeld „Klimawandel“:
• KlimLandRP: Klima- und Landschaftswandel in Rheinland-Pfalz
• ForeStClim: Transnational Forestry Management Strategies in Response to Regional Climate Change Impacts